Gedichte

Donnerstag, 13. August 2009

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

- Rainer Maria Rilke -

Montag, 22. Juni 2009

Eines Morgens

Eines Morgens, als ich die Treppe hinunterstieg,
ist mir die ganze Vergangenheit entgegengekommen:
die Leere der Jahre, der Schmerz
um die, die für immer gegangen sind.

Die ganze Vergangenheit ist mir entgegengekommen;
dann zogen die gewohnten Masken vorbei,
die Raucher des Nichts, die Blätter
mit ihrem Geheimnis in der Pein der Morgenröte.

Die Leere der Jahre, der Schmerz,
der noch immer sticht wie Messerklingen,
und aus jedem von uns eine leere Hülle macht
vergessen auf der letzten Treppenstufe.

An die, die für immer gegangen sind,
erinnerte ich mich, und mich streifte ein Schauder:
dann sang die Morgenröte mir ihr befreiendes Lied
hell wie eine Geste der Liebe.

- Alberto Nessi -

Motto

Schlägt dir die Hoffnung fehl, nie fehle dir das Hoffen!
Ein Tor ist zugetan, doch tausend sind noch offen.

Über mich

Ich war ein Kind und träumte viel ...

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